Wir möchten unser Projekt im Design-Build-Modell umsetzen. Welche Vorgaben müssen wir aus der SIA Norm 142 einhalten?
Vorsicht – die SIA Norm 142 regelt den Gesamtleistungswettbewerb mit einem klaren Fokus auf Architektur und den – je nach Aufgabenstellung – weiter nötigen Planungsdisziplinen. Eine Jury wählt den Wettbewerbssieger aus, wobei oft ein GU/TU mit seinem Planungsteam im Lead bleibt. Dass bei dieser Form von Gesamtleistungswettbewerb auch Unternehmer einbezogen werden, ist sinnvoll und richtig, ändert aber nichts daran, dass in der Praxis aus diesem Wettbewerb oft ein Angebot für ein Generalplanerteam und eines für die Bauleistung eingereicht und vergeben wird. Anders als beim Gesamtleistermodell (Design-Build) liegt der Fokus aber nicht auf einer funktionalen Ausschreibung, auf die Gesamtleister (meist Unternehmer) unter Einbindung von Architektur und Planung sowie Schlüsselgewerken ein Gesamtangebot abgeben, für das der Gesamtleister auch die Verantwortung übernimmt resp. haftet. Für ein Design-Build Modell ist die SIA Norm 142 irrelevant und unbeachtlich. Darüber hinaus will das Design-Build Modell die Phasenordnung der SIA Norm 112 gerade durchbrechen, indem eben das sequenzielle Vorgehen in Phasen mit ihren meist nachteiligen Schnittstellenfolgen in ein (Bid –) Design-Build Modell geändert wird und damit eine echte Kollaboration und weitreichende Durchgängigkeit zwischen Planung und Ausführung entsteht. Die Mechanismen, Leistungsbilder und Verantwortlichkeiten sind bei Design-Build (Gesamtleister) auf das funktionale bestellte Endprodukt gerichtet und nicht auf architekturgetriebene Teilphasenerledigung. Das bedeutet aber nicht, dass die Bauherrschaft bei Design-Build der Architektur nicht einen besonderen Schwerpunkt geben kann. Design-Build heisst: Planung und Ausführung aus einer Hand, mit starker Rückkopplung zur Bauherrschaft als Bestellerin; dies folgt einer Modelllogik, verlangt projektindividuelle vertragliche Regelungen, wirkungsvolle Prozesse und eine gute Zusammenarbeitskultur und nicht eine SIA-Norm Logik in sequenziellen Abläufen. Auch wird bei Design-Build ein durchgehend integrierter Ablaufprozess durch das selbe Team gewährleistet, während sich im konventionellen Ablauf mehrere beteiligte Teams mit dem Projekt zu beschäftigen haben und strukturell dann je für sich von den ihnen aufgebürdeten Risiken möglichst zu entlasten suchen.
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